Lespress - Tonträger (3)  
  Angie Reed: XYZ Frequency
(Chicks on Speed)


Auf ihrem Debut-Album verwandelte sie sich noch in die Sekretärin Barbara Brockhaus, die uns von ihren wilden Phantasien erzählte. Aber sich auf nur eine Person zu reduzieren, erschien Angie Reed wohl zu langweilig, also erweiterte sie den Kreis der DarstellerInnen und den der Dimensionen. Das Multitalent führt uns auf eine durchaus poppige Reise durch diverse Paralleluniversen, in denen sich allerlei schräge Typen bewegen und artikulieren.
"Bend The Truth In The Confession Booth" ist das Lied einer Nonne, Schwester Louise, die das Kloster in dem sie aufgewachsen ist, im Berlin der 30 Jahre verlässt, weil sie beim Sex mit einer anderen Nonne erwischt wird und die in den 50ern als Situationistin endet. In "Dingsbums Bumst Dingsda (Es steht so in der Gala)": kritisiert ein 17jähriger Fußgängerzonen-Punk den dekadenten Lebensstil der Promis so gerne und so gut, weil er ein heimlicher Fan der Zeitschrift Gala ist.
Es ist schon eine wilde Mischung, die den HörerInnen da präsentiert wird, inhaltlich wie musikalisch. Aber es ist überhaupt nicht verwirrend, sondern äußerst amüsant, dem Multimediatalent Angie Reed zuzuhören.
Ab Dezember 2005 wird Angie Reed wieder auf Tour gehen und sich die "Geister, die natürlich keine Kostüme wechseln können und also vorher gefilmt werden", auf den Körper projizieren lassen. Die Show wird selbstverständlich auch von ihr gestaltet.
Eine unbedingte Empfehlung für FreundInnen schrägen Humors und lustiger Musik (und am Ende noch brav warten auf den hübschen hidden track).


ufa



Muza: Cabio de estacion
(Petroglyph Records)

Pop aus Chile ist hierzuande ja nicht so bekannt, aber es gibt ihn und auch noch richtig aufregend: Muza (mit bürgerlichem Namen Sol Aravena) ist eine der KünstlerInnen, die sich vom Latin-Gedöns absetzen und eigenwillige poppige Arrangements in Englisch oder Spanisch wagen.
Sphärisch kommt Musas Stimme daher, leichte Elektromusik mischt sie gekonnt mit akkustischen Elementen, verfremdet dabei nur wenig und entführt die HörerInnen in diverse aufregende und tanzbare Klangwelten, in denen Breakbeats sich zu Trishpop gesellen. Muza, die alle ihre Songs selbst schreibt, arrangiert und produziert, erzählt von Liebe, Magie, Reinkarnation, Schicksal und Illusion.
Muzas Label Petroglyph Records hat es sich zur Aufgabe gemacht, junge chilenische Künstler zu fördern und ihre Musik auch außerhalb Chiles zu veröffentlichen. Mit Muza haben sie einen sehr guten Griff gemacht.



ufa



Limp Bizkit - Greatest Hitz
Universal Music


Limp Bizkit haben als erste die Fusion von Rock, Heavy Metal und HipHop vollzogen, und nach über 31 Millionen weltweit verkauften Alben musste man wohl irgendwann mit einer Greatest Hits-Compilation rechnen. Zugegeben, Limp Bizkit sind nicht wirklich lesbisch, noch nicht mal weiblich und haben hier eigentlich gar nichts zu suchen, machen aber schöne Musik um ordentlich Dampf abzulassen und böser zu werden. Und die neue "Greatest Hitz" kann sich als Querschnitt aller Hits von Limp Bizkit mit drei zusätzlichen neuen Songs durchaus sehen lassen.
Vom Debütalbum "Three Dollar Bill" stammen "Counterfeit" und Limp Bizkits schräge Hardcore-Version von Michael Jacksons "Faith". Von "Significant Other" kommen: "Break Stuff" für die Tage, an denen frau am liebsten irgendwen verprügeln möchte, das melodiöse Trennungsresümee "Re_Arranged" und die stärker HipHop-geprägten "Nookie" und "N 2 Gether Now". "Take A Look Around", eine Coverversion des The Who-Hits "My Generation", "Rollin", "My Way" (scharfer Heavy-HipHop-Rock für die Momente, wo man es einfach satt hat, herumgeschubst zu werden) und "Boiler" sind vom Album "Chocolate Starfish and the Hot Dog Flavoured Water"; und last, but not least kommen von "Results May Vary": die krasseste, aber ehrlichste musikalische Anmache der Welt "Eat You Alive" und die eher soften, rockballadigen "Behind Blue Eyes" und "Build A Bridge".
Die neuen Tracks sind leider nicht ganz so spannend: das durch die Akustikgitarre fast folkige "Why", das melancholische "Lean on Me" und "Home Sweet Home / Bittersweet Symphony"- eine nette Cover-Kreuzung aus Mötley Crüe's "Home Sweet Home" und The Verve's "Bittersweet Symphony". "Greatest Hitz" von Limp Bizkit eignet sich spitzenmäßig als Taktgeber beim Training am Punching Ball oder um das Summgeräusch vom rotierenden Spinball zu übertönen. Frau kann "Greatest Hitz" auch als musikalische Untermalung für den nächsten Wutanfall benutzen, damit üben, "fuck you" zu sagen oder die Scheibe einfach nur genüsslich hören. Das Cover hat übrigens ein ganz liebes weiß-rosa Girlie-Design.


as



QueenBee: Abseits ist, wenn keiner pfeift
(tacheles/roof music)

Seit 1996, als Ina Müller und Edda Schnittgard auf Sylt auf Sylt den 'Henner-Krogh-Förderpreis' gewannen, hat sich ihre Fangemeinde stetig vergrößert. Dank u.a. Gerburg Jahnkes (von den nunmehr auch getrennten Missfits) Regie schafften die beiden Bienenköniginnen es innerhalb weniger Jahre in die höheren Etagen der Kleinkunstszene und erhielten verdientermaßen 2001 den Deutschen Kleinkunstpreis. Nach nun gut 11 gemeinsamen Jahren und einer umfangreichen Tournee löst sich das Duo Ende des Jahres auf und hinterlässt den weinenden Fans noch ein letzes Album. Okay, es stimmt, man soll aufhören, wenn es am schönsten ist, und vielleicht ist es dafür sogar schon zu spät, aber schade bleibt es doch. Das beweist auch der Live-Mitschnitt ihrer Abschiedstournee, der in ihrem Lieblingstheater in St. Pauli aufgenommen wurde. Wie immer beschäftigen sich die beiden mit den alltäglichen Merkwürdigkeiten und Fragen des Lebens, und Fußball kommt natürlich auch vor. Als kleines Schmankerl gibtí eine Video-CD dazu mit privaten Aufnahmen aus den vergangenen Jahren, die von Edda und Ina kommentiert werden. Besonders hübsch: Die Diskussion über die jeweiligen Frisuren.
So ganz von der Bühne verabschieden sich die beiden nun nicht, denn "die eine singt, die andere auch", wie es so schön in ihrem ersten Programm hieß, und das bleibt wohl auch so. Ina Müller ist ja schon länger etwas offensiver auf Solopfaden, und Edda Schnittgart meldet sich dann auch Anfang 2006 wieder zurück ñ auf der Bühne und hinter den Kulissen.
Für Fans ist die letzte CD von Queen Bee natürlich ein Muss, für alle anderen, die es nicht ins Theater geschafft haben, eigentlich auch. ;-)


ufa



Susanne Brokesch: Emerald Stars
(Chicks on Speed)

Susanne Brokesch kommt 1972 in Wien zur Welt. Schon früh zeigt sich ihr musisches Talent: kaum auf den Beinen, fängt sie damit an, eigene Lieder zu schreiben, die sie bei Familienfeiern ihren Verwandten vorführt. Nach der Schule jobbt sie und studiert an der Pädagogischen Akademie in Wien. Größere Bekanntheit erlangt Brokesch als DJane mit dem Auflegen von House-Platten in verschiedendsten Clubs von Wien bis New York. Zeitgleich beginnt Brokesch unter dem Alias Sil Electronics, eigene Stücke zu produzieren. 1997 erscheint ihr Debut "Sharing The Sunhat", das es in die Redaktionscharts der Spex und des Wire Magazins schafft. Die Musik auf diesem Album wird von anderer Seite als Artcore, Ambient-Electronic oder sogar Post Industrial bezeichnet. Brokesch selbst umschreibt ihren Sound als New Age Jazz. Neben dem Produzieren beschäftigt sie sich unter anderen mit der Gestaltung von Plattencovern, sie schreibt Kurzgeschichten und Gedichte. Im Januar 2003 veröffentlicht Brokesch, die mittlerweile in New York lebt und dort Deutsch unterrichtet, "So Easy, Hard to Practice", dem nun "Emerald Stars" folgt. Wieder mischt erfreulich viel Blech und reichlich Elektronik mit bei dieser Produktion, die neben Eigenkompositionen auch sechs Interpretationen von Hugo-Wolff-Liedern enthält. "Emerald Stars" ist ein phantasievoll gemachtes Album mit allerlei sphärisch-geheimnisvoll anmutenden aber auch kratzigen Klängen, die phantasievollen HörerInnen sicherlich Spaß machen wird.


ufa




Bettina Schelker: Willkommen
NetMusicZone Records

Die Schweizerin Bettina Schelker gilt als Singer/Songwriter-Geheimtipp und spielte immerhin schon im Vorprogramm von Chumbawamba, Marla Glen oder Candy Dulfer. Politisch engagierte (deutsche) Texte, straighte Melodien und Arrangements, die allerdings auch Bühnenpräsenz verlangen, das sind Schelkers Stärken.
Lohnenswert ist auch ein Blick auf ihre Website www.foundagirl.com: Ziel von foundagirl ist es, ein Netzwerk aufzubauen, das künstlerische Ideen umsetzen und verbreiten kann. Bis heute produziert Schelker mit "foundagirl" neben eigenen CDs auch Demotapes für Newcomerbands, veranstaltete Discos, Konzerte und Kunstausstellungen und realisierte diverse Schulprojekte.


as




Le Tigre: This Island ñ Remixes
(Chicks on Speed)

Es ist immer ein wenig heikel, von einem ohnehin schon guten oder gar sehr guten Album ein Remixalbum zu machen, aber in diesem Fall ist es ausgezeichnet gelungen. Jeder Remix bringt nicht nur "irgendeine" neue Version nach Geschmack des Mixenden, sondern eine Version, die der Arbeit von Le Tigre tatsächlich noch näher kommt und den Damen sicherlich gefallen hat. So wird Le Tigres Musik also nicht nur verwurstet und in Beats eingestampft, sondern hübsch neu verpackt. Das macht es natürlich auch etwas leichter bekömmlich, und das widerum könnte nicht allen Le-Tigre-Fans gefallen. Dennoch: ein schickes Werk, das Chicks on Speed da initiiert hat.


ufa




Andrea Wolper: The Small Hours
(Varis. One-Jazz)

Die New Yorker Sängerin Andrea Wolper erkundigt gemeinsam mit ihren Musikern die Zeit zwischen Nacht und Tag - dann also, wenn die ersten Lokalitäten schließen und die Nachtschwärmer, die immer noch nicht genug haben, sich einen letzten Martini oder Whiskey in irgendeiner Bar rechtzeitig vor Sonnenaufgang genehmigen. Dort könnte Wolper dann auch neben dem Piano stehen und mit ihrer interessanten Altstimme ein paar bekannte und unbekannte Jazzsongs ins Mikro hauchen.
Auf ihrem zweiten Album wird sie nun aber hauptsächlich begleitet von den ausgezeichneten Musikern Ron Affif (Gitarre) und Ken Filiano (Bass). Hinzukommen bei einigen Titeln noch Drums, Trompete und Flöte, damit es ein wenig abwechslungsreicher wird und wir nicht aus Versehen beim zweiten Glas Whiskey einschlafen. Aber das wird eh nicht passieren, denn langweilig oder seicht ist "The Small Hours" nun gar nicht. Es ist ruhig bis fetzige, hübsch arrangierte, interessant vorgetragene und ausgezeichnet aufgenommene Jazzmusik - nicht nur Jazzfans.

ufa




Diana Krall: Christmas Songs

Die populäre Jazzpianistin und ñsängerin konnte mit Blick aufs Konto wohl nicht nein sagen, als ihr ein Weihnachtsalbum angeboten wurde. Aber immerhin hat sie eine ordentliches Resultat abgeliefert. Auf Christmas Songs gibt es ausschließlich nordamerikanische Weihnachtslieder, die nett arrangiert und wie immer supersauber interpretiert werden. Glücklicherweise quetscht sich hier noch nicht einmal ein Tröpfchen Kitsch aus den Lautsprechern, aber richtig aufregend ist das Album auch nicht gerade (was zu Weihnachten ja ganz okay ist). Wer keine traditionellen deutschen Weihnachts- und Adventslieder mag und beim Plätzchenbacken oder unterm Weihnachtsbaum lieber ein wenig swingt, für den ist "Christmas Songs" ideal. Für Diana-Krall-Fans natürlich auch. Obwohl die Covergestaltung einfach unmöglich ist....


ufa




The Judy Garland Show
(Cascade Medien)

Die "Judy Garland Show" erlebte mit der in Vol.1 dokumentierten Aufzeichnung, die ursprünglich als Show Nr. 3 ausgestrahlt wurde, einen ersten Höhepunkt in ihrer noch jungen Geschichte. Der Ehrengast der Sendung war sowohl für Garlands leichtfüßige Darbietung als auch für den Erfolg der Show verantwortlich: frisch von ihrem Off-Broadway-Debut in "Best Foot Forward" kommend, zeigte die erst 17-jährige Liza Minnelli bereits damals Zeichen eines Talents, das ihr später drei Tony Awards und einen Oscar einbringen sollte. Sowohl in ihren Solodarbietungen als auch in ihren Duetten mit "Mama" ist ihre Begabung unübersehbar.
In einer der bekanntesten Episoden der Show, aufgezeichnet auf DVD 2, traf die lebende Legende Garland auf die zukünftige Legende Barbra Streisand. Für Barbra Streisand war dieser Auftritt der erste Schritt zu ihrer eigenen Serie von Specials für CBS, gleichzeitig machte er die beiden Künstlerinnen zu lebenslangen Fans der jeweils anderen. Barbra sagte später: "Ich war 21 und sie war 41. Sie war außergewöhnlich und, Gott, ich fand sie großartig! Es war sehr aufregend mit ihr zu arbeiten. Wir hatten diese unmittelbare Seelenverwandschaft.". Und das ist auf den ersten Blick zu sehen und natürlich zu hören. Bei allem Kitsch, dem für heutige Verhältnisse etwas holprigen Set und ab und an reichlich hölzernen Dialogen springt der Funke zwischen den beiden sofort über und man vergisst tatsächlich für einen Moment all die kleinen Lächerlichkeiten, weil der musikalische Eindruck so fantastisch ist - mono hin, stereo her.
Das gilt im Prinzip auch für die dritte DVD: Judy Garland stellt dem Publikum in einem einstündigen Weihnachts - Special ihre Kinder, Liza Minnelli und Lorna und Joe Luft vor und hat natürlich jede Menge anderer Stars geladen, die hereinschneien und ein musikalisches Stelldichein geben. Soetwas ist natürlich nur in Maßen zu ertragen, zudem sieht man Judy Garland ab und an eben doch schon ihre Probleme an, da helfen weder Schminke noch professioneller Auftritt. Dennoch: ein interessantes Bild der Zeit.
Details:
Ton: Dolby Digital 5.1.+ Mono
Ländercode: weltweit
Bildformat: 4:3
Specials:Music Only Option
Individuelle Trackanwahl
Geschnittene Szenen
 

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