| Lespress - Tonträger (2) | ||
| Chaka Khan,
feat. The London Symphony Orchestra: classikahn Earthsong (Import-CD) "I'm
every Woman" war einer ihrer Hits in den achtziger Jahren, der erst so richtig
bekannt wurde durch das Remake von Whitney Houston in den Neunzigern. Leider, leider
war es Chaka Khan nie vergönnt, den absoluten Hit direkt zu landen. Dabei kann
die Dame so wahnsinnig viel, dass jede Durchschnittssängerin im Genrespektrum
Pop-Rock-Soul-Jazz sofort Ihr Notenbüchlein (wenn sie es denn überhaupt
lesen kann) sofort zuklappen müsste, um fürderhin zu schweigen und sich
einen anderen Job zu besorgen. Allein die Wahnsinnsoktavsprünge Chaka Khans
sind - in welchem Song auch immer - das Zuhören wert. Nun hat sich Chaka Khan
mit ihrem aktuellen Album ein wenig von Pop-Versuchen abgewandt und sich Jazz-Klassikern
gewidmet, mit denen sie nach eigener Aussage groß geworden ist. Das Ergebnis
ist nicht nur für Fans umwerfend. Schließlich begleitet hier nicht ein
Plastikorchester mit allerlei lustigen Features aus dem Studio die Sängerin,
sondern das London Symphony Orchestra. Es ist schon erstaunlich, dass Chaka Khan
selbst so abgenudelten Jazz-Songs wie "Crazy" (kennen Sie spätestens
auch aus "Desert Hearts") oder "Stormy Weather" immer noch eine
eigene ëNote' zu geben weiß. Und spätestens bei Interpretationen von "Goldfinger"
oder "Diamonds Are Forever" kann man sich Chaka Khan auch sehr, sehr gut
als Sängerin des nächsten Bond-Films vorstellen. Unbedingt reinhören!
ufa Keely Smith: Vegas 58 - Today Concord Music Keely
Smith, Jahrgang 1932 (!) gehört zu den hierzulande leider nicht so bekannten
Diven des Jazz. Gemeinsam mit ihrem Partner Louis Prima war sie ein Top-Act im Las-Vegas
der Fünfziger; die beiden traten bis zu fünf Mal an einem Tag in der legendären
Sahara's Casbar Lounge auf, und im Publikum saßen Celebrities wie Frank Sinatra,
Dean Martin, Sammy Davis, Jr., Spencer Tracy, Gary Cooper, Natalie Wood oder auch
der junge damals noch Senator J.F. Kennedy. In Erinnerung an ihren 1978 verstorbenen
Partner entstand das Programm "Vegas 58 -Today", das im New Yorker Feinstein's
aufgenommen wurde. Die Live-Aufnahme ist technisch und atmosphärisch wunderbar
gelungen; Keely Smith singt immer noch voller Esprit und mit einer Verve, dass man
sich beim Zuhören wünscht, dabei gewesen zu sein. Einen großen Anteil
an diesem Erfolg hat allerdings auch die Begleitband mit einer fetzig aufspielenden
Bläsersection und dem sagenhaften Drummer Joe Cucozzo. Live-Musik at ist best!ufa Debby Boone: Reflections of Rosemary Concord Records Ihren
ersten Hit hatte Debby Boone, eine Tochter von Pat Boone, bereits 1978 mit "You
Light Up My Life"; die Platte wurde übrigens vier Millionen Mal verkauft,
ohne dass Debby Boone (nach eigener Aussage) auch nur einen Penny daran verdiente.
Pech im Spiel, Glück in der Liebe: Debby Boone heiratete zwei Jahre später
Gabriel Ferrer, den Sohn der legendären Sängerin Rosemary Clooney, mit
der sie sich nicht nur musikalisch ausgezeichnet verstand. Als Rosemary Clooney 2002
starb, vererbte sie ihrer Schwiegertochter all ihre musikalischen Arrangements. Und
so entstand nun das Album "Reflections of Rosemary", das zum Glück
so gar nicht kitschig daher kommt, sondern durch die eigenen Interpretationen von
Debby Boone ähnlich beeindruckend ist wie das 2003 erschienene Album und Rosemary
Clooney gewidmete Album von Bette Midler. Sehr charmant erzählt gibt es zu jedem
Song im Booklet eine kleine Geschichte oder eine Erinnerung aus dem Leben von Clooney.
Und als kleine Überraschung zum Schluss einen hidden Track, auf dem Clooney
selbst noch einmal ganz privat und a capella zu hören ist.Ein ruhiges, aber schönes Album, das die Qualitäten einer inzwischen ja nun erwachsenen Debby Boone zeigt und hoffen lässt auf mehr; nicht also nur etwas für Rosemary-Clooney -Fans. ufa Sarah Jane Morris: in Concert in-akustik/SWR DVD Eigentlich
wollte Sarah Jane Morris bei der Schauspielerei bleiben, aber dann kam es auf Umwegen
zu einem Zusammentreffen mit den Communards, mit denen Sie das Remake des Donna-Summer-Hits
"Don't Leave Me This Way" aufnahm. Ihre leicht rauchige, dunkle Stimme
passte einfach wunderbar zu Jimmy Summervilles Falsett-Stimmchen. Und so wurde "Don't
Leave Me This Way" 1986 nicht nur zu einem Megahit, sondern auch zu einem Meilenstein
in ihrer Karriere als Sängerin. Mitte der Achtziger war es längst noch
nicht schick, schwul zu sein und fast schon gefährlich für die Karriere,
sich gemeinsam mit einem Schwulen auf die Bühne zu stellen, aber Sarah Jane
Morris hatte damit keine Probleme - im Gegenteil: Sie setzte noch eins drauf, indem
sie ihre Version von "Me And Ms Jones" herausbrachte. Der Song wurde prompt
von den britischen Radiosendern boykottiert und mit umso mehr Interesse von Lesben
gehört...Die in diesem Jahr erschienene DVD ist ein Mitschnitt der "Ohne-Filter"-Sendungen des SWR von 1990 und enthält auch den legendären Titel "Ms-Jones"-Song sowie eine harsche Abrechnung mit der damaligen Regierungschefin Maggie Thatcher, die von Sarah Jane Morris in ihrer Ankündigung als "Diktatorin" bezeichnet wird. Nun sind die Songs eben schon so alt wie sie sind, nämlich mindestens 15 Jahre, und ein wenig altbacken kommt auch der Mitschnitt daher, aber those were the days. Dennoch: eine hübsche Zeitreise ins vorige Jahrzehnt - die Extras sind allerdings nur etwas für Freaks und fast schon eine Lachnummer. ufa Alexandra - Die Legende einer Sängerin Film von Marc Boettcher (ARD Video), DVD "Mein
Freund der Baum ist tot, er fiel im frühen Morgenrot" - das ist eine der
Zeilen eines Liedchens, das viele Kinder einer gewissen Generation geprägt hat.
Eigentlich hat Alexandra mit diesem wie auch anderen "kritischen" Songs
im Schlagerkontext der Sechziger und Siebziger einen großen Anteil an der späteren
grünen Bewegung - richtig zugeben will es natürlich keine(r). Und ganz
so richtig ist diese Behauptung auch nicht, denn die Sängerin selbst hat sich
(außer in ein, zwei Songs) zu Lebzeiten kaum zu gesellschaftspolitischen Themen
geäußert, sondern eher ganz brav versucht, als "besondere" Künstlerin
ihren Weg durch die Hitparaden zu machen. Das ist ihr wohl gelungen, der Preis allerdings
war hoch: ihr Privatleben ging schlichtweg dabei drauf. Alexandras mysteriöser
Tod, der bis heute nicht geklärt ist, markiert den Schlusspunkt einer Karriere,
die gerade erst begonnen hatte. Die "Legende einer Sängerin" ist eine
eher brave Dokumentation, die wenig überraschende Neuigkeiten bietet, aber immerhin
ein interessanter Spiegel jener Jahre ist. ufa Diverse: Letís Go Crazy (Sanctuary Records) Okay,
die Siebziger sind mal wieder in, an Schlaghosen haben wir uns auch schon lang gewöhnt.
Die passende Musik dazu wird uns leider meist nur in drögen Neuzeit-Remakes
präsentiert. Da ist so ein Sampler mit dem, was 'damals' so rauf und runter
gespielt wurde, schon sehr, sehr nett. Bisschen schade, dass auch hier oftmals dann
doch noch ziemlich doll versucht wurde, aufzuhübschen. Okay, die BPMs bewegen
sich heutzutage in einer anderen Größenordnung, aber dennoch wäre
manchmal wenige eben mehr gewesen. Aber es ist dennoch irgendwie nett, mal wieder
Yazoo oder Ami Steward zu hören - Aber Abba zu covern, selbst wenn es Andy Bell
macht, ist nicht nur gefährlich, sondern auch fast ein Verbrechen- Shame, shame,shame...ufa Melissa Etheridge: Greatest Hits - The Road Less Travelled (Universal) Nicht
nur für eingefleischte Etheridge Fans ein Muss, sondern auch ein Genuss zum
Neuentdecken oder Wiederausgraben: Wer sich zwischen den alten Alben nicht entscheiden
kann, bekommt jetzt mit der neuen GREATEST HITS - THE ROAD LESS TRAVELLED die besten
Songs von Melissa Etheridge als Komplettpaket. Mit sämtlichen Ohrwürmern
älteren und neueren Datums ó Refugee, You Can Sleep While I Drive, No Souveniers,
Ainít It Heavy, I Want To Come Over, Angels Would Fall, Lucky, Christmas In America
und einer Hommage an Janis Joplin: Piece Of My Heart ó ist THE ROAD LESS TRAVELLED
der perfekte musikalische Etheridge-Querschnitt. Und mit Similar Features, Like the
Way I Do, Bring Me Some Water, I'm the Only One, Come To My Window und If I Wanted
To ist alles drauf, was Melissa Etheridge immer wieder so unwiderstehlich zum Soundtrack
lesbischer Lebens- und Liebesdramen gemacht hat. Musikalisch absolut sauber und mit
gereifter Stimme tief aus dem Bauch ist Etheridge weit davon entfernt, sich zu verabschieden
ó und von dem gerade durchstandenen Kampf gegen den Brustkrebs erzählen die
neuesten und letzten Tracks This Is Not Goodbye und mein persönlicher Favorit:
I Run For Life. Nostalgie- und Bauchflimmerwerte liegen auch nach mehrmaligem Hören
im oberen Bereich. Diese CD macht Spaß ó und trifft ins Herz.as Fiona Apple: Extraordinary Machine (Epic) Das
Warten hat sich gelohnt: Nach sechs Jahren ist nun endlich Fiona Apples drittes Album
erschienen. Und Fiona Apple hat nichts von ihrem ganz eigenen schrägen musikalischen
Charme verloren. Im Gegenteil: Ihre Arrangements knüpfen fast nahtlos an die
vorangegangenen Alben 'Tidal' und 'When The Pawn' an und sind dennoch absolut zeitgemäß,
manchmal fast avantgardistisch. Cool, sexy, schräg, intelligent kommen Songs
wie 'Parting Gift' oder 'Oh Well' daher. Der Abschlusswalzer macht das Album richtig
rund. Keine leichte Kost, aber unbedingt zu empfehlen.ufa Angelika Milster: Von ganzem Herzen - Lieder zur Advents- und Weihnachtszeit Puh, Frau
Milster kann ja einiges und gewiss auch singen, aber dieses Werk trieft nur so vor
Kitsch dank der unglaublich einfachen und künstlich aufgebrezelten Arrangements.
Jede Kirchenmusikstudentin im ersten Semester könnte bessere Vorspiele und Begleitungen
flink komponieren; und Lieder wie 'Der Mond ist aufgegangen' haben mit Weihnachten
und der Adventszeit soviel zu tun wie Glühwürmchen mit Weihnachtsmännern.
Das gleiche gilt für die sicherlich gut gemeinten aber genauso thematisch verfehlten
Versionen von 'From A Distance' - brav ins Deutsche als 'Aus der Ferne' übersetzt
oder 'I DoníT Know How To Love Him' - 'Wie soll ich ihn nur lieben'. Frau Milster hat dieses Album ganz bestimmt nicht von ganzem Herzen, sondern mit ganz bestimmt-festen Blick aufs Portemonnaie eingespielt, was ja ihr gutes Recht ist. Bei allem guten Willen lassen wir uns aber wirklich nicht verbratäppeln. Kerzenschein hin, Kerzenschein her. ufa |
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