Lespress - Tonträger (1)  
  Juliette & The Licks: You're Speaking My Language (Rough Trade)

Juliette & The Licks treten an, den Rock'n'Roll zu revolutionieren. Juliette Lewis, bekannt als Hollywood-Schauspielerin, hat nicht wie so viele ihrer FilmkollegInnen ein kleines musikalisches Nebenprojekt, sondern steckt seit zwei Jahren fast alle ihre Energie in ihre Band. So klingt auch das Ergebnis: roh, explosiv, energiegeladen und gitarrenkrachig. Die raue kräftige Stimme der Powerfrau passt perfekt dazu. Dazwischen steht auch mal eine bluesig-melodiöse Ballade, meist dreht es sich um Beziehungskisten zwischen Mann und Frau. Die bekennende Scientology-Anhängerin lebt, wie es der Philosophie der Sekte entspricht, alkohol- und drogenfrei, was auch in ihren Texten Raum einnimmt.


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Bronco Busters: Pulse Racing (big dipper records / Cargo Records)

Die Bronco Busters haben im Vordergrund ihrer knallig-poppigen kleinen Punksongs ein regelrecht süßes Stimmchen. Die drei jungen Musikerinnen aus Norwegen gründeten ihre Band bereits vor einem Jahrzehnt und sind seitdem schon fast überall in Europa aufgetreten. Mit nur 25 Minuten CD-Länge sind sie aber selbst für eine Punkband am unteren Ende der Vertretbarkeits-Skala für ein Album.


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KT Tunstall: Eye To The Telescope (Virgin / EMI)

KT Tunstall, Schottin chinesischer Abstammung, findet ihren richtigen Namen doof: "Auf jeden Fall klingt KT besser als Kate, der sich für mich wie der Name einer Landpomeranze anhört." Mit ihrem Debütalbum war sie in Großbritannien wochenlang in den Top Ten vertreten. Aber das muss ja nichts Böses heißen... In der Tradition von Songwriterinnen wie Rickie Lee Jones und den Indigo Girls schreibt KT Tunstall ihre manchmal gitarrenfolkrockigen, meist eher zarten, melodiösen Songs, die sich mit Beziehungen zwischen Menschen, kleinen Problemen, dem allgegenwärtigen Regenwetter und mit Veränderungen, Träumen und Hoffnungen für die Zukunft beschäftigen.


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Ari Up: Dread More Dan Dead (Collision / Groove Attack)
Ari Up ist eine Frau mit Geschichte, hat sie doch schon bei der legendären Girl-Punkband The Slits in den Siebziger Jahren als Sängerin mitgemischt ö da war sie vierzehn. The Slits begannen als Punkrockband, waren Vorband für The Clash, doch bis zu ihren ersten Plattenaufnahmen Jahre später hatte die Band bereits vielfältige Reggae-Einflüsse integriert, lange bevor der Produzent und Dub-Pionier Denis Bovell sie entdeckte: "Wir waren unserer Zeit Jahrzehnte voraus, indem wir fette Bässe, Drums und Dubsound in unseren Songs hatten." Anschließend schrieb Ari Up Reggae-Geschichte mit dem von ihr mitkreierten On-U-Sound. Seit den frühen Neunzigern lebt die Punky Reggae Queen in Kingston auf Jamaika. In ihrer dortigen Heimat ist Ari Up als dreadlockige DJane, Musikerin und Modemacherin bekannt. Rebellischen Reggae mischt sie mit Dancehall, Drum'n'Bass, HipHop ö und einem ordentlichen Schuss Slits-Punk: "Dancehall ist echt die Fortsetzung von Punk. Die gleiche Scheiss-Drauf-Haltung steckt dahinter. Wir machen, was wir wollen!" Ein unglaublich abwechslungsreiches und für die Hörerin manchmal beinahe anstrengend energiegeladenes Album.


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Sarah Bettens: Scream (Feel Records / Alive)

Sarah Bettens bildet zusammen mit Bruder Gert seit 1993 die international erfolgreiche, zur Zeit pausierende Rockband Kâs Choice, Belgiens Exportschlager Nummer Eins in Sachen Musik. Sie spielten sowohl in Europa als auch in den USA vor Zehntausenden von Fans, die junge Musikerin schrieb Hits wie "Not An Addictä oder "Believeä für die gemeinsamen Alben. War sie aber auf dem 2002er Studioalbum der Geschwisterband nur "Almost Happy", heißt es auf ihrem ersten Soloalbum nun "Things can't get much better" ö viel besser kann es nicht mehr werden! Womöglich liegt das daran, dass sie nach der Trennung von ihrem Ehemann nun mit einer Frau zusammenlebt?
Die Songs auf ihrem Solodebüt erzählen die berührende Geschichte einer Selbstfindung: "Dieses Album fühlt sich an wie mein allererstes. Alles ist mit einer neuen Art von Aufregung verbunden, besonders natürlich die Konzerte." Die erste Singleauskopplung "Not Insaneä nennt Sarah Bettens einen "Mini-Protest-Song", er richtet sich gegen kleingeistige Leute, die andere Lebensentwürfe nicht akzeptieren können. Dieses Thema greift sie in Variationen öfters auf. In dem Wechselbad zwischen sanften folkigen Popperlen, groovigen Songs und härteren Rocknummern finden sich immer wieder Liebesschwüre, die sich wie in "I'm okay" an ein neutrales Du richten. Dass ihre Stimme, durch die arbeitsintensiven Studioaufnahmen etwas überfordert, auf "Scream" noch mehr als sonst einen heiseren Touch hat, gefällt Sarah Bettens: "Dadurch klingt die Platte noch impulsiver." Ihr Talent zum Schreiben von echten Ohrwürmern zeigt sich bei fast allen Titeln, der Einfluss der Indigo Girls, in deren Vorprogramm die Band Kâs Choice schon vor zehn Jahren durch die USA tourte, übrigens auch.


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Various Artists: All Children In School (Forrest Hill Records / Edel Records)

Die Initiative "All Children In School" hat sich zum Ziel gesetzt, 120 Millionen Kindern (wieder) den Schulbesuch zu ermöglichen, wovon zwei Drittel Mädchen sein sollen. Mit dem Kauf dieser Compilation kann man die von der unvergessenen Schauspielerin und engagierten Unicef-Botschafterin Audrey Hepburn gegründete Stiftung unterstützen. Auf dem Album finden sich eine ganze Reihe sehr verschiedener und mehrheitlich weiblicher Stimmen vor allem aus der Weltmusik, wie die Obertonsängerin Sainkho Namtchylak aus Tuva, die Grande Dame der kubanischen Musik Omara Portuondo, die Afrobrasilianerin Susana Baca, die Galizierin Uxia und die portugiesische Fadosängerin Dulce Pontes. Die fünfzehn Songs sind harmonisch zusammengestellt und überwiegend so zart, dass Ani DiFrancos Folksong "Cradle and All" beinahe punkig heraussticht. Schöne 68 Minuten für Freundinnen der Gesangskunst aus aller Welt.


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Meshell Ndegeocello Presents The Spirit Music Jamia: Dance Of The Infidel
(Emarcy / Universal)

War Meshell Ndegeocello zuletzt im vergleichsweise recht zugänglichen Gebiet des groovigen Urban Funk unterwegs, so hat sie sich nun den Jazz vorgenommen. Ihre früheren musikalischen Zutaten Funk, Soul, HipHop, Blues und Reggae sind fast nur noch in homöopathischen Dosen vorhanden, wenn auch ihr grooviger Bass eine feste Größe bildet. Ihren Ausflug in die improvisierte Musik unternahm Meshell Ndegeocello mit ihrer neuen Band Spirit Music Jamia, dabei sind Musiker wie Don Byron, Kenny Garrett, Roy Hargrove, Oran Coltrane und Mino Cinelu. Für die Fans von modernem Jazz und Fusion, Improvisation und episch langen Stücken sicher ein Fest. Für die Fans von Meshell Ndegeocellos dunklem Timbre allerdings eine herbe Enttäuschung ö sie ist hier nur als Instrumentalistin am Bass sowie gelegentlich als Keyboarderin zu hören.


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