lespress12/97

Madam Sir!

Ein Ünglück kommt selten allein. Erstens ist das Wetter bei uns im Süden des vereinigten Königreiches eine Schande für das Empire, zweitens habe ich gestern meinen ersten Weihnachtsbaum im Schaufenster eines Bestattungsunternehmens gesichtet, drittens hat die Einkommensteuer zugeschlagen und viertens scheint Lady Diana ja nun tatsächlich von einem Fiat Uno ermordet worden zu sein.
Dabei konnte ich mir das an fünf Fingern abzählen, wann es soweit sein würde. Also nicht das Dahinscheiden unserer geliebten Prinzessin. Sondern das mit den Weihnachtsbäumen und der Einkommensteuer. Jedes Jahr um Mitte Oktober bekomme ich nachts diese Zustände, an denen mein schwaches Herz mir zu sagen scheint; - —Marplež , scheint es zu sagen, — bald ist es wieder soweit, da sieht man es leuchten, weit und breit, überall auf den Tannenspitzen .... und außerdem leuchtet eine dicke knallrote Zahl auf meinem Kontoauszug.
Apropos Leuchten! Anhand einer Fiat Uno Bremsleuchte will die Polizei von Paris jetzt den Mörder an Diana überführen. Aufgehört meine Damen: EIN UNO. Na das ist aber nicht Royalty. Ich will nicht schlecht über eine Tote sprechen, aber ich hätte schon darauf geachtet, wer oder was da vor mir mit 200 Sachen in den Tunnel braust, um entsprechend standesgemäß von hinnen zu scheiden. Immerhin hat die königliche Familie in jeder Lebenslage eine öffentliche Komponente zu beachten. Stellen sie sich mal vor, was es für einen Eindruck macht, wenn sich herausstellen sollte, daß die Princess Royal das Opfer eines angesäuselten Gemüsehändlers oder eines zu seiner Ehefrau eilenden Freiers geworden wäre. My God!Aber kommen wir zurück zu den Weihnachtsbäumen.

Vielleicht ist es der einen oder anderen von Ihnen bekannt, daß wir in England neben den Windsors und dem Finanzamt eine Institution haben, die sich von hier über die angelsächsische ganze Welt verbreitet hat: Der Christmas Shop.

Ja Myladies, da können sie mit Ihrem Kebab und Pizzaweihnachtsmarkt in Nürnberg oder Cottbus aber einpacken. Diese Shops haben nämlich das ganzeJahr über geöffnet. 365 Tage im Jahr können sie zwischen Zimtduft und Pfirsichseife an üppig geschmückten Plastikweihnachtsbäumen entlanggleiten und bei glückseliger Musikuntermalung (I´m dreaming of a white etc....) den Baumschmuck für das Fest zusammenstellen. Da haben sie dann die Auswahl zwischen high Tec oder Tradition, ganz wie Sie wünschen.
Also Mr. Stringer und Inspektor Craddock bestehen ja auf traditionellem Rot am Baum, mit goldenem Lametta und Wachskerzen. Das traditionelle Rot kommt in dieser Saison als Leuchterkette mit Minicocacoladosen , bzw aus Anlaß der Übergabe Honkongs als Plastikkugeln mit Chinaflagge daher. Dies allerdings dann mit Zimtduft in regelbarer Intensität. Bei diesem Angebot würde ich allerdings eher dieses Jahr zu High Tec raten, etwa einem Weihnachtsbaum - Hologramm, oder , noch praktischer, zu einem virtuellen Weihnachtsbaum. Dieser wird mittels leistungsfähiger Hard- und Software in die Ecke des Livingrooms neben den offenen Kamin mit dem beleuchteten Plastikfeuer gebeamt und hat eigentlich nur Vorteile, da natürlich auch seine Nadeln virtuell sind und nicht aus der Auslegeware gepopelt, sondern lediglich von der Ramdisk entfernt werden müssen.

Der graduellen Intensität des weihnachtlichen Erlebens sind eigentlich nur durch den Festplattenspeicher Grenzen gesetzt.

Wobei sie für einmal Baumabfackeln im heimischen Wohnzimmer inklusive schmelzender Plastikspielsachen und schmorendem Spritzgebäck mindestens 30 MB Arbeitsspeicher brauchen, sonst dauert Heilgabend bis Silvester. Vielleicht sollten wir weiterhin über die Entwicklung von Weihnachtdienstleistungen in Internet nachdenken, so z.B. abrufbare Paychristmastrees. Ich meine, eine gute Edeltanne kostet heute ihre 30 Pfund und fängt nach 7 Tagen an zu nadeln, im Internet wäre der OnlineBaum ohne Dienstleistung für eine Monatspauschale oder eine tägliche Grundgebühr zu haben. Was für die Einzelne günstiger ist, hängt vom individuellen Glaubensverhalten ab, d.h. wann sie Weihnachten als beendet erklärt zu Hl. Drei Könige oder zu Maria Lichtmeß.

Manche Dienstleister werden bestimmt auch günstiger, sollten sie sich entscheiden, die Software bis Juli installiert zu behalten. Oder sie bereits im September abzurufen. Oder sie schließen einen Ganzjahresvertrag mit Osterrabatten ab, schon ab 7 Cent pro Minute. Zusatzdienste wie das Absingen von Weihnachtsliedern könnten sie dann unter den 0190er Nummern aus der Karibik abrufen. Ich sehe es schon vor mir: Irgendwo auf den Bahamas steht ein gigantisches Callcenter voller sozialversicherungsfreier Weihnachtmänner und -frauen, die Stille Nacht oder Merry Christmas in den Hörer säuseln. Doch Vorsicht, Kinder können davon abhängig werden und die Telephongebühren zum Fest ins Exorbitante treiben. Unbefleckte Jungfrauen mit Vornamen Maria telephonieren übrigens gebührenfrei unter 0130....! Aber lassen wir das.
Frohes Fest und
bis zum nächten Mal.....
Mismarp@christmess.com

zurück