Zwischen Klapperstorch und Retorte
12. Februar 2010 | Von admin | Kategorie: TV/RadioTipps19.02.2010, 00.10 Uhr, arte
Dokumentarfilm, Frankreich 2006
Noch nie war die von Aldous Huxley prophezeite “Schöne neue Welt” so zum Greifen nahe – eine Welt der Klone und der künstlichen Uteri. Zentrales Thema des Dokumentarfilms ist die vieldiskutierte Eizellspende, oft der letzte Ausweg bei unerfülltem Kinderwunsch. Sie ist das neue Aushängeschild des Pariser Universitätsklinikums Cochin und Gegenstand einer engen französisch-belgischen Kooperation.
Auf dem Gebiet der Eizellspende ist Belgien Frankreich um etwa zehn Jahre voraus. Um den Rückstand aufzuholen, lassen sich französische Ärzte von belgischen Kollegen fortbilden. In Belgien wird die Eizellspende relativ freizügig gehandhabt. Während in Frankreich die Spende immer anonym erfolgt – Spenderin und Empfängerin kennen sich nicht – ist in Belgien auch die nicht-anonyme Eizellspende erlaubt. Eine Frau kann zum Beispiel ihre Schwester, Mutter oder eine Freundin als Spenderin bestimmen. Daher lassen sich viele französische Paare, die eine nicht-anonyme Spende wünschen, in Belgien behandeln. Im Gegensatz zu Frankreich werden auch Anfragen von alleinstehenden Frauen und Homosexuellen berücksichtigt. In bestimmten Fällen ist auch die Präimplantationsdiagnostik – eine Gendiagnose vor Einpflanzung des Embryos – zulässig.
Die zum Teil bissig-humorvolle Dokumentation zeigt, dass das ernste und mitunter sehr fachspezifische Thema der medizinisch unterstützten Fortpflanzung bei aller Dramatik oft zu skurrilen und absurden Szenen führt. Darüber hinaus geht es um eine universelle Problematik, den Fortbestand des Lebens und einen bedingungslosen Glauben an den Fortschritt.