25 Jahre Michigan Womyn´s Music Festival - 2  
  Nicht nur musikalische Highlights  
  Trotz glühender Mittagssonne lockt die energiegeladene Melissa Ferrick am Donnerstag eine ansehnliche Fan-Gemeinde zur Day Stage. Lesben mit Gitarre sind ja nicht eben selten, doch die coole Sängerin/Songwriterin im Unterhemd ist mit ihren sehr persönlichen Songs nicht nur hörens- sondern auch sehenswert. Die Frauen toben. Eine spezifisch amerikanische Marotte scheint die Autogramm-Sammelei zu sein - beinahe alle Musikerinnen finden sich an dem Stand des Goldenrod-Frauenmusikvertriebes ein, steigern hier ihren CD-Verkauf enorm, signieren diese und gelegentlich auch blanke Brüste und lassen sich einzeln mit den glücklichen, brav und geduldig in einer langen Schlange wartenden Fans ablichten.
Melissa Ferrick (links) Pam Parham, Gebärdendolmetscherin (rechts)
  Hier taucht direkt nach ihrem Auftritt auch Catie Curtis auf, die auf der Bühne nicht nur beachtliche Talente ebenfalls als Sängerin/Songwriterin an den Tag legt, sondern auch als Schlagzeugerin.

Auf der Night Stage wird an diesem Donnerstagabend ein Beispiel für die Vielfalt des Festivals präsentiert - entgegen bösen Gerüchten ist die Frauenmusikszene nämlich durchaus nicht auf Folkmusik und Lesben mit Gitarre beschränkt. Auf die fünfköpfige Jazzband Straight Ahead aus Detroit folgen Ulali, drei indigene Frauen, die sich der Bewahrung traditioneller Gesänge und Instrumente der "First Nation People" verschrieben haben. (Der Begriff "Native American" wird von vielen abgelehnt, da sie bzw. ihre Vorfahren schon hier waren, als an Amerika nicht zu denken war.) Als letztes entern die drei Dykes der Gruppe The Butchies die Bühne. Zu ihrer Rockmusik der Marke "lesbisch, laut und lustig" hopsen alle Frauen fröhlich auf und ab.

Catie Curtis
  Am Freitag ist die Acoustic Stage ein Forum für Geschichten: zwischen zwei Tanz-Ensembles singt Rhiannon nicht nur, sondern erzählt auch - aus ihrem Leben und darüber, wie die Songs entstanden und was sie bedeuten. Auf der Night Stage geht dann die Post ab: erst mit heißen Salsa-Klängen der Latin American All Stars, danach mit der charismatischen Evelyn Harris, die nach vielen Jahren mit ihrer Band Sweet Honey In The Rock nun mit neuer Begleitgruppe unter ihrem eigenen Namen auftritt. Wie viele der anwesenden Künstlerinnen hat auch Evelyn Harris sich immer für Befreiung und soziale Gerechtigkeit eingesetzt. Einige ihrer Songs sind African-American-Traditionals und -freiheitslieder.
Eine andere Form von Befreiung vertreten Tribe 8. Die seit ihrem ersten Festival-Auftritt 1994 unverändert heiß umstrittene Lesben-Band hat nicht nur Fans im Publikum. Einige, besonders viele der Älteren, haben besseres vor, als Punkmusik zu hören und eine Sado-Maso-Persiflage anzuschauen, die in eine gröhlend bejubelte aber etwas zusammenhanglose Dildo-Abschneideszene mündet. Als die Sängerin Lynn Breedlove sich noch das T-Shirt vom Körper reißt, rast das Publikum vor Begeisterung.

Gebärdendolmetscherin Sherry Hicks
  Am Samstag siegt dann wieder die musikalische Qualität über die Lautstärke: Mehrere Singer/Songwriter, die eine lange Geschichte mit dem Michigan-Festival verbindet, sind über den Tag verteilt zu hören. Holly Near, deren "Fight Back" eine Hymne der Frauen geworden ist, nimmt das Publikum an ihrem selbstgewählten Auftrittsort, der malerisch unten in einem halbrunden Kessel gelegenen Acoustic Stage, mit ihrer Ausnahme-Stimme gefangen. Holly Near ist aus der amerikanischen wie der internationalen Frauen- und vor allem der Lesbenbewegung nicht wegzudenken. Bei ihrem Auftritt warten einige Überraschungen: sie singt ein Duett mit Rhiannon; und sie hat eine Tanzgruppe eingeladen, die sich nur für diesen Auftritt in der Originalbesetzung von vor 25 Jahren zusammengefunden hat. Wie ein eleganter Tanz und eine eigene sehenswerte Vorstellung wirkt auch manch eine der engagierten Übersetzungen der bei allen Auftritten präsenten Gebärdendolmetscherinnen.
Auch die kanadische Sängerin Ferron ist unverzichtbarer Bestandteil der Frauen-Lesben-Bewegung und -geschichte. Ihre bewußt schlichte Performance mit zwei Gitarren und einem Cello fesselt die Frauen, die Ferron seit nunmehr 23 Jahren kennen und lieben. Den krönenden Abschluß der Night Stage bildet neben einem 25-Jahre-Jubiläums-Feuerwerk die Sängerin Toshi Reagon, die mit ihrer Band eine kraftvolle Fusion von Blues und Rock spielt und damit alle Frauen von ihren Sitzplätzen reißt.

The Wallflower Order Dance Company
Rhiannon (links) und Holly Near (rechts)
  Die Küche

Kichererbsen & Feta-Salat


880 Pfund Kichererbsen
115 Pfund Rote Zwiebeln
550 Pfund Tomaten
345 Pfund Broccoli
190 Pfund Feta

Marinade

19 Liter Essig
19 Liter Canola-Öl
44 Liter Zitronensaft
16.5 Pfund Knoblauch
35 Pfund Petersilie
4.5 Dosen Salz
2.25 Dosen Pfeffer

Helferin rührt im Erdnußmus
(Rezept für 7000 Frauen
  Das Allerletzte

Scheinheilige Moralapostel schleichen durchs Internet. Die Rechtsaußen-Christen und erklärten Homosexualitäts-Gegner "Americans for truth" steckten ihre Nasen in das festivaleigene Bulletin-Board und fanden: eine Diskussion über Safer Sex mit genauer Anleitung, "groteskes Verhalten" wie Lesben mit Dildos, einen Ejakulations-Wettbewerb nach Zeit (2 sec.) und Weite (68,5 cm) : "Dear god, what are they teaching our children?"... Aus all dem versuchen sie nun, eine Gefahr für Kinder zu konstruieren und Staatsanwaltschaft und die bürgerliche Presse aufzuhetzen. Die Konsequenz der Festival-Organisatorinnen: das Bulletin-Board ist wurde vorübergehend geschlossen. Inzwischen ist es aber wieder erreichbar nicht nur für die, die in der langen Zeit bis zum nächsten Festival Erinnerungen austauschen und diskutieren wollen, sondern auch für Interessierte, die dann vielleicht 2001 die Festie-Virgins sind...

www.michfest.com

Irene Hummel
 
   
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