Lespress, Ausgabe 118, September 2005  
   
  Geschafft. Wahlkampf überstanden.
Karikatur: Angela SchmerfeldDas Ergebnis sind lauter GewinnerInnen, die aber komischerweise vorerst alle nicht in der Lage sind, eine eigene Mehrheitsregierung zu bilden. Die wechselstimmige Wählerschaft hat sich Richtung radikalem Liberalismus einerseits und sozialstaatlichem Gutmenschentum andererseits polarisiert. Erwartungsgemäß wurde die SPD für ihre ungeliebten Reformen abgestraft und musste Stimmen an die Linkspartei abgeben; die Zweitstimmenkampagne der FDP hat auf Kosten der CDU gut funktioniert. Nur bei Grün gibt es trotz Realitätsfrust vieler StammwählerInnen keine großen Veränderungen zum Ergebnis von 2002. Rot-Grün ist abgewählt, aber es reicht nicht für Schwarz-Gelb. Rot-Rot-Grün hätte in sich noch mehr Spaltpotential als der schnelle Brüter in Kalkar und wird hoffentlich genauso wenig ans Netz gehen wie jener. Was bleibt ist die Große Koalition, die rot-gelb-grüne Ampel oder die von Jörg Schönenborn (ARD) keck als Jamaika-Koalition titulierte schwarz-grün-gelbe Ampel. Die Große Koalition wäre das Bündnis der Verlierer und brächte trotz größter gemeinsamer Mehrheit kaum mehr als Stillstand auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Für die beiden anderen Varianten müssten sich Grün und Gelb zusammenraufen: Merkel mit Westerwelle geht nur im Dreierpack mit Fischer. Ist das drin?
Grün hat sich in sieben Jahren Regierungsgymnastik schon ziemlich biegsam geturnt und Fischer lässt alles Denkbare offen. Schröder will um jeden Preis Kanzler bleiben, Merkel es werden und sogar Stoiber signalisiert Diskussionsbereitschaft, nur Westerwelle zickt noch trotzig gegen jeden Dreier. Aber wenn das Wahlvolk so differenziert abstimmt und sich für keine der angebotenen Regierungsmodelle eindeutig erwärmen kann, dann sollte diese Vielstimmigkeit bei der Regierungsbildung nicht als Hindernis, sondern als Aufgabe zu mutigen Kompromissen auf allen Seiten wahrgenommen werden. Ob Jamaika oder Straßenverkehr: darauf könnten beide Ampelvarianten spannende Antworten finden.
Nur eins ist heute Abend sicher: die Wahlplakate mit den ganzen Pappnasen kommen endlich wieder weg. Außer in Dresden.

Angela Schmerfeld (18.09.2005)


 
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Leider führt der Aspekt, unter dem dieser ZDF-Fernsehfilm vermarktet wird, in die Irre....
(ZDF, 17. Oktober, 20.15 Uhr)

 

 
 
     
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