Fragen an Frau Merkel  
  Eine kleine Runde von Medienfrauen fragte sich, wie es dazu kommen kann, dass Frau Merkel entgegen ihrer Handlungsweise einem modernen Frauenbild zugeordnet wird und dazu noch ihren Geschlechtsgenossinnen ein Vorbild sein soll. Die Beteoligten fanden es absurd und auch fatal, die Kandidatin so ganz ohne (In-) Fragestellung als moderne Frau im Kampf um eine moderne Gesellschaft zu akzeptieren.
ĐWir wollen genau wissen, wo die Kompetenz von Frau Dr. Merkel in Frauenfragen zu finden ist, und haben uns gedacht: Fragen wir sie doch einfach direktý, so Antje Schlag, eine der Initiatorinnen. Hier ihre Fragen an die Kanzlerkandidatin, die auch auf der Plattform www.Frauen-fragen-Merkel.de zu finden ist:




Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

wir müssen gestehen, Sie haben uns in einen Gewissenskonflikt gestürzt. Und wir glauben, vielen, vielen Frauen in Deutschland geht es ähnlich. Wir sind hin- und her gerissen zwischen Gefühl und Verstand.
Auf der einen Seite fänden wir es natürlich toll, dass am 18. September zum ersten Mal eine Frau die höchste Verantwortung für die Politik in diesem Land übernehmen könnte. Eine Frau als Kanzlerin. Haben wir nicht alle schon lange davon geträumt?
Auf der anderen Seite wachsen in uns mehr und mehr Zweifel, ob Ihre Wahl auch wirklich gut wäre für uns Frauen.
Lassen Sie es uns kurz begründen:
Im Wahlprogramm der CDU, der Sie als Parteivorsitzende vorstehen, wird auf über 30 Seiten genau an 3 Stellen kurz über uns Frauen gesprochen. Einmal im Zusammenhang mit Menschenhandel. Einmal zum Thema Zwangsheirat. Und nur einmal ganz unverbindlich im Zusammenhang mit einem allgemeinen Wunsch nach Gleichstellung von Frauen in der Berufswelt.
Mehr nicht.
Wo sind Ihre ganz konkreten Aussagen zu so wichtigen frauenpolitischen Themen wie: Frauenförderung? Frauenerwerbsquote? Gleichstellung der Geschlechter in allen Politikbereichen? Gleicher Verdienst bei gleicher Arbeit? Zugang zu Führungspositionen? Dazu hören und lesen wir viel zu wenig von Ihnen.
Wir wollen es genau wissen:
Wohin geht die Reise für uns Frauen mit einer Bundeskanzlerin Angelika Merkel?
Zurück an den Herd, wie es dem Mitglied Ihres Kompetenzteams und designierten Finanzminister, Professor Paul Kirchhof, vorschwebt?
Zurück zu einer Politik, die in erster Linie Familien subventioniert, in denen nur einer arbeitet, aber Alleinerziehende im Regen stehen lässt?
Wie halten Sie es mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Frau Merkel? Wie stehen Sie zu Ganztagsschulen, zu einer verlässlichen Tagesbetreuung auch für unter 3-jährige Kinder, zum Recht auf einen Platz in Kindertagesstätten?
Fragen, die wir gerne vor der Wahl von Ihnen konkret beantwortet hätten.
Das umso mehr, als wir uns nicht erinnern können, dass Sie als Frauenministerin im Kabinett Kohl für uns Frauen Entscheidendes bewegt hätten.
Im Gegenteil: Sie haben sich damals gegen eine liberalere Abtreibungsregelung ausgesprochen. Sie haben der Einführung einer Quote zur Förderung der Gleichstellung von Mann und Frau eine klare Absage erteilt. Und in Ihrer Zeit als Partei-Vorsitzende hat sich die Zahl der weiblichen CDU-Abgeordneten in den Parlamenten der von Ihnen regierten Ländern deutlich verringert. Wie gut sind wir Frauen bei einer Kanzlerin Merkel aufgehoben?
Bitte geben Sie uns Antwort, damit wir uns entscheiden können.

Antje Schlag
www.Frauen-fragen-Merkel.de
 
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