Goldschmiede Regenbogenschmuck  
  Wenn andere Urlaub machen, haben die beiden Hochsaison: Kaum ein CSD, kaum eine schwul-lesbische Veranstaltung, auf denen sie nicht mit einem Stand präsent sind.
Dabei bieten Martina Föhre und Patricia Esser gar keine üblichen Regenbogenartikel
wie Fähnchen, T-Shirts oder Postkarten an, sondern exklusiven Schmuck, auf dem die Regenbogenfarben nur ganz dezent sichtbar sind.

Die Geschäftsidee hatte die gelernte Goldschmiedemeisterin Patricia, die feststellte, dass es reichlich Schmuck gibt in der Szene, der aber zum gröten Teil aus Industrieware besteht. Ihre Partnerin Martina, eine ehemalige Stationsschwester und geborenes Organisationstalent, war begeistert, und so probierten die beiden es einfach aus: 1997 boten sie auf dem Frankfurter CSD mit einem ganz kleinen Stand hochwertigen Schmuck an. "Es war ein voller Erfolg, mit dem wir so nicht gerechnet hatten", erinnert sich Martina. Bereits im Folgejahr tourten sie von CSD zu CSD mit einem bereits größeren Angebot und natürlich einem größeren Stand. Als sie immer häufiger gefragt wurden, wo denn ihr Geschäft sei, machten die beiden Nägel mit Köpfen, gaben ihre bisherigen Jobs auf, gründeten das Unternehmen "Regenbogenschmuck" und mieteten einen Laden in der Wiesbadener Innenstadt.

"Unsere Schmuckstücke sind nicht billig, also ist die Klientel etwas älter und oftmals fest im Job", bemerkt Patricia. "Die meisten leben seit vielen Jahren mit einer Partnerin oder einem Partner zusammen und hatten noch kein Coming-out. Wenn solche Menschen sich etwas schenken möchten oder z.B. Partnerschaftsringe kaufen wollen, stehen sie oftmals vor einer großen Hürde. Der Gang zum "normalen" Juwelier endet meist mit dessen Bemerkung: "Freundschaftsringe sind doch out!" Und da bieten wir noch etwas mehr: KundInnen können sich gegen entsprechende Sicherheiten mehrere Exemplare zur Ansicht zuschicken lassen und zuhause in Ruhe aussuchen. Oder sie verbinden die Reise nach Wiesbaden mit einem Kurzurlaub hier. Wir vermitteln dann Hotel und, wenn gewünscht, organisieren ein kleines Kulturprogramm", ergänzt Martina.
Viele ihrer KundInnen nutzen ein Schmuckstück von Regenbogenschmuck auch, um sich dezent zu outen: Wer genau hinsieht, erkennt die Regenbogenfarben oder die kleine Doppelaxt und weiß Bescheid; die (Hetero-)KollegInnen entdecken die Symbolik oftmals nicht. Und so einfach kopieren lassen sich die Stücke auch nicht: Die beiden haben eigene Verfahren entwickelt, das die Lacke besonders haltbar und farbecht macht oder verschiedene Materialien geschickt kombinieren lässt.

Anfangs gab es übrigens schon ein paar Anfeindungen aus der Lesbenszene: "Aufgrund unserer Professionalität wurden wir von einigen Frauen - gerade auf dem Lesbenfrühlingstreffen - als ŽKommerzlesbenŪ beschimpft." erinnert sich Martina. "Aber inzwischen hat sich auch das gelegt; es gab eben auch viele, die sich freuten, Žendlich mal etwas OrdentlichesŪ zu sehen. Außerdem kommen wir auch prima mit unseren Kolleginnen zurecht, die günstigeren Schmuck anbieten. Wir nehmen uns ja gegenseitig nichts weg, sondern schieben uns im Gegenteil die Kundinnen zu."

Dass sie sich ganz explizit an die schwul-lesbische Käuferschicht wenden und nicht ein "neutrales" Schmuckgeschäft mit einigen Extra-Angeboten für Schwule und Lesben besitzen, hat seinen Grund: "Genau das wollten wir nicht! Die Goldschmiedeszene ist ziemlich klein, wir kennen uns alle irgendwie. Und darunter gibt es sehr viele Schwule oder Lesben, die sich eben nicht outen, weil sie z. B. einen Familienbetrieb übernommen haben, in erzkonservativen Zusammenhängen leben und sich einfach nicht trauen. Für uns ist es ein wichtiger politischer Schritt zu sagen: Wir sind Lesben, wir machen Schmuck für Schwule und Lesben. Bei unseren Nachbarn ist es nun auch so langsam durchgesickert, und wir merken, dass die Akzeptanz steigt - einfach dadurch, dass wir in der Öffentlichkeit sind. Nur durch Offenheit bewegt sich etwas in unserer Gesellschaft."
Mit Offenheit allein ist es aber nicht getan, das wissen die beiden schon genau: "Wir haben seit drei Jahren keinen Urlaub gemacht, und das wird in naher Zukunft auch nicht drin sein. Es heißt ja, dass man sieben Jahre braucht, um ein Geschäft auf wirtschaftliche feste Füße zu stellen. Außerdem werden die Zeiten immer schnelllebiger, da müssen wir ständig am Ball bleiben und versuchen, eigene Trends zu setzen durch neue Materialkombinationen und neue Produkte."
Aber wie es scheint, haben Patricia Esser und Martina Föhre noch genug Energie und Ideen - und bis zum hoffentlich nicht verflixten siebten Jahr ist es ja auch nicht mehr allzuweit...

ufa



Goldschmiede
Regenbogenschmuck
Webergasse 45/47
65183 Wiesbaden

Öffnungszeiten:
Di. - Fr. 10.30 - 13.30 Uhr
15.00 - 20.00 Uhr
Samstag 10.30 - 16.00 Uhr
Montag geschlossen !

Fon: +49-611-40 60 544
Fax: +49-611-40 60 545

Internet:
www.regenbogenschmuck.de
eM@il:
webmaster@regenbogenschmuck.de
 
   
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